Forschung

Foto: Michael Braunschädel

Foto: Michael Braunschädel

Dem Studiengang Fotojournalismus und Dokumentarfotografie geht es zentral um die Vorbereitung auf eine konkrete fotografische Berufspraxis. Dabei ist jedoch die theoretische Reflexion des eigenen Schaffens eine wesentliche Grundlage für den professionellen Umgang mit Fotografie. Wir sind überzeugt, dass es angesichts der sich verändernden Bildkultur mehr denn je eine anspruchsvolle, selbstreflektierte Fotografie braucht. Daher liegt ein wesentlicher Fokus der Ausbildung auf der Vermittlung einer umfassenden Bildkompetenz – praktisch und theoretisch.

[IMAGE MATTERS]

Unter dem Titel [IMAGE MATTERS] hat der Studiengang eine Diskursplattform geschaffen, die Fragestellungen aus der fotografischen Bildpraxis und Diskurse der Bild- und Fototheorie sowie der Visual und Cultural Studies in einen Dialog bringt, der für beide Seiten wesentliche neue Perspektiven eröffnet. [IMAGE MATTERS] vertieft fotografische Diskurse, veranstaltet Workshops und Symposien und erarbeitet Publikationen, die sich an Studierende und ein professionelles Fachpublikum aus Praxis, Theorie und Forschung richten. 2018 wurde die Publikation „Images in Conflict / Bilder im Konflikt“ von Karen Fromm, Sophia Greiff und Anna Stemmler im Jonas Verlag Weimar herausgegeben. Der Band widmet sich dem Verhältnis von Konflikten und ihrer Medialisierung und richtet den Fokus auf aktuelle Visualisierungsstrategien und „Bilderkriege“.

Mit Text- und Bildbeiträgen von: Dona Abboud, Christoph Bangert, Lars Bauernschmitt, Ann-Christin Bertrand, Vera Brandner, Adam Broomberg und Oliver Chanarin, Edmund Clark, Emma Daly, Michael Ebert, Susanne von Falkenhausen, Karen Fromm, Ziyah Gafić, Sophia Greiff, Dirk Gieselmann und Armin Smailovic, Tim Hetherington, Tony Hicks, Ilaria Hoppe, Geert van Kesteren, Felix Koltermann, Susanne Krieg, Paul Lowe, Stephen Mayes, Philipp Müller, Rolf F. Nohr, Fred Ritchin, Valeria Schulte-Fischedick, Anna Stemmler, Friedrich Weltzien, Donovan Wylie.

2020 ist die zweite [IMAGE MATTERS]-Publikation erschienen. „image/con/text. Dokumentarische Praktiken zwischen Journalismus, Kunst und Aktivismus“ untersucht die Relationen von Bild und Text in aktuellen wie historisch wegweisenden Projekten insbesondere aus dem Bereich Fotobuch, aber auch in Film, Multimedia, Comic und den Erzählformen des Archivs. Die betrachteten dokumentarischen Strategien bewegen sich zwischen journalistischen, künstlerischen und aktivistischen Positionen, sie verweben Fakt und Fiktion und spüren Machtkonstellationen im Darstellungsprozess auf. Die bewusste Herstellung von Kontexten wird von fotografisch Erzählenden zunehmend als Möglichkeit begriffen, nicht zuletzt den Rahmen des Erzählbaren zu erweitern.

Mit Text- und Bildbeiträgen von: Laia Abril, Crofton Black, Edmund Clark, Susanne von Falkenhausen, Joan Fontcuberta, Karen Fromm, Sophia Greiff, Thomas Helbig, Eva Leitolf, Regine Petersen, Max Pinckers, Peter Puklus, Malte Radtki, Fred Ritchin, Anja Schürmann, Alisha Sett, Anna Stemmler, Florian Sturm, Friedrich Weltzien.

Weitere Informationen unter: http://image-matters-discourse.de

image market – business trends

Ausgelöst durch technische Entwicklungen durchlaufen die Medien im Allgemeinen und die Bildpublizistik im Besonderen einen Strukturwandel, für dessen Dimension und Dynamik sich kaum aktuelle oder historische Vergleiche finden lassen. Infolge der Digitalisierung veränderte sich der Bildermarkt in den letzten 30 Jahren bis zur Unkenntlichkeit. Traditionelle Akteure verschwanden, neue ursprünglich branchenfremde Unternehmen wurden zu Global Playern und Geschäftsmodelle infrage gestellt. Während die Bedeutung von Bildern ständig zunimmt, sinken die Honorare. Neue Erlösmodelle denken Bilder als Instrumente der Wertschöpfung und nicht mehr als gehandelte Ware. Das Forschungsprojekt „image market – business trends“ stellt die Entwicklung des Handels mit Nutzungsrechten an Bildern dar und dokumentiert, welche Entwicklungen den Markt verändern und im Ergebnis bestimmen, welche Bilder (aus welcher Quelle, mit welcher Bildsprache und welcher Bildgestaltung) überhaupt veröffentlicht werden.

Weitere Informationen unter: http://www.larsbauernschmitt.de/forschung/

Wandel bildredaktioneller Praktiken im digitalen Zeitungsjournalismus – eine vergleichende Untersuchung niedersächsischer Lokalredaktionen und überregionaler Presse

Angesichts eines tiefgreifenden Wandlungsprozesses im deutschen Zeitungsjournalismus unter den Vorzeichen der Digitalisierung und einer stetigen Bedeutungszunahme von Visualisierung nimmt das Forschungsvorhaben bildredaktionelle Strukturen und Tätigkeiten in deutschen Zeitungsredaktionen im Print- und Online-Bereich in den Blick. Im Vordergrund steht dabei die Frage, wie sich innerhalb der Redaktionen auf die Verarbeitung von fotografischen Bildern spezialisierte Berufsrollen und Arbeitspraktiken ausgebildet haben. Zentrale Instrumente der Untersuchung sind Redaktionsbeobachtungen und Experteninterviews, die bei drei überregionalen Qualitätszeitungen sowie drei niedersächsischen Lokalzeitungen durchgeführt werden, sowie eine Online-Befragung deutscher Zeitungsverlage. Über regionale Fachgespräche soll darüber hinaus der Dialog mit den Arbeitgeber- und Journalistenverbänden gesucht und ein Wissenschafts-Praxis-Transfer hergestellt werden. Gefördert wird das dreijährige Projekt aus dem Programm PRO*Niedersachsen. Die Projektleitung hat Dr. Felix Koltermann, der das Projekt auch eingeworben hat.

Dissertationen im Studiengang Fotojournalismus und Dokumentarfotografie

Sophia Greiff: Perspektivenwechsel: Alternative Erzähl- und Darstellungsformen im aktuellen Fotojournalismus

Angesichts der zunehmenden Informationsflut und Komplexität in einer schnelllebigen und medialisierten Welt lässt sich im Fotojournalismus eine Tendenz zu alternativen Strategien des Erzählens beobachten, die die Grenzen des journalistischen Berichterstattens hinterfragen, reflektieren und herausfordern. Das Dissertationsprojekt untersucht anhand von Fotobüchern und multimedialen Webformaten, inwiefern durch die Verschränkung unterschiedlicher Perspektiven und paralleler Erzählungen, durch bewusste Subjektivität und Betonung oder Erweiterung der Autor*innenschaft, durch Kollaborationen oder die Einbeziehung fiktionaler Elemente vielschichtigere Zugänge und Möglichkeiten der Rezeption geschaffen werden können. Dabei soll insbesondere der Frage nachgegangen werden, ob und wie sich der Fotojournalismus konzeptionelle Methoden aus dem Bereich der Kunst und Literatur nutzbar machen kann, um einer Vielfalt der Betrachtungsmöglichkeiten gerecht zu werden und tiefere Ebenen des Wissens und Verständnisses zu erlangen, ohne dabei an Glaubwürdigkeit zu verlieren.

Erstbetreuer: Prof. Dr. Steffen Siegel (Folkwang Universität der Künste, Essen)

Zweitbetreuerin: Prof. Dr. Karen Fromm (Hochschule Hannover)

Anna Stemmler: Untote Bilder. Die indirekte Verarbeitung fotojournalistischer Aufnahmen im fiktiven Film seit 9/11

Den Ausgangspunkt des Forschungsprojekts bildet die Beobachtung, dass sich in fiktiven Filmen, die seit dem 11. September 2001 entstanden sind, Spuren der fotografischen Dokumente der Terroranschläge auf das World Trade Center in New York entdecken lassen. Dokumentarisches Bildmaterial oder eine dokumentarische Ästhetik scheint für den fiktiven Film an Bedeutung zu gewinnen. Der Aspekt des Dokumentarischen im Fiktiven blieb – verglichen mit Untersuchungen zur Authentizität des Dokumentarfilms oder die Verwendung dokumentarischer Strategien im Bereich der Kunst – in der Forschung jedoch bislang unterbelichtet. Das Forschungsprojekt wird zunächst anhand mehrerer aktueller Werke eine exemplarische Ikonografie der dokumentarischen Bilder und Strategien im Spielfilmbereich aufstellen. Dafür werden mögliche Vor-Bilder aus dem fotojournalistischen Bereich identifiziert. Es wird gefragt, was die Integration von Fotodokumenten im Spielfilm mit der Kontextinformation der fotojournalistischen Bilder macht; oft sind diese nur in Verbindung mit Wissen um ihre Herkunftssituation als Dokumente lesbar. Auch im neuen Kontext fiktiver Filme bewahren die gewanderten Bilder allerdings ihren affektiven Gehalt, der über das kollektive Bildgedächtnis aktivierbar und mit traumatischen Ereignissen verknüpft ist. Diese mediale Vermittlung soll als Versuch der Verarbeitung krisenhafter Ereignisse im Visuellen lesbar gemacht und einer kritischen Prüfung auf ihre Bildwirkungen unterzogen werden.

Erstbetreuerin: Prof. Dr. Susanne von Falkenhausen (Humboldt-Universität zu Berlin)

Zweitbetreuerin: Prof. Dr. Karen Fromm (Hochschule Hannover)

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