Foto: Konstantin Tönnies

Foto: Konstantin Tönnies

„Aus der Nähe ist gar nicht so weit weg“ – Absolvent*innen stellen öffentlich aus

Die Bachelorarbeiten der Absolvent*innen des Studiengangs Fotojournalismus und Dokumentarfotografie werden in der Galerie für Fotografie ausgestellt. Unter dem Titel „Aus der Nähe ist gar nicht so weit weg“ werden die Arbeiten ab dem 25. Juni 2021 für die Öffentlichkeit – nur mit Maske und negativem Test – unter folgendem Ausstellungstext anzuschauen sein:

„If your pictures aren’t good enough, you aren’t close enough“. Die Verhältnisse von Nähe und Distanz sind aus den Fugen geraten. Robert Capas in die Jahre gekommenes Diktum verliert vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie weiter an Bedeutung. 20 Student*innen des Studiengangs Fotojournalismus und Dokumentarfotografie wagen sich in ihren Abschlussarbeiten an eine Neuverhandlung. Wie kann die Überwindung von Distanzen Unverständliches verständlicher machen? Wann rückt sie Verdrängtes in bedrohliche Nähe? Wie lässt sich die eigene Lebenswelt aus kritischer Distanz heraus betrachten, dokumentieren und verhandeln? Deutlich wird eine vielfältige Verwobenheit – sowohl synchron als auch diachron – in und von privaten, gesellschaftlichen und historischen Dynamiken und Prozessen.

Shirin Abedi – Invisible Students / Eine*r von vier Schüler*innen fühlt sich in der Schule nicht sicher und insgesamt 60 Prozent erleben Isolation, Hänseleien oder sogar körperliche Gewalt, während sie ihrer Schulpflicht nachkommen. Wie prägt Mobbing während der Schulzeit das Leben der Betroffenen langfristig? Und was können wir als Gesellschaft dagegen tun? Sieben unsichtbare Schüler*innen teilen ihre Erfahrungen.

Foto: Shirin Abedi

Foto: Shirin Abedi

Carlos Bafile – Du kannst mich am Bauch riechen / Du kannst mich am Bauch riechen ist das Endprodukt eines kooperativen Projektes mit den Kindern der Jugendeinrichtung Hof anders! „Diese Kinder sind cool, schlau, pfiffig und ja, natürlich auch frech. Aber ich mag sie trotzdem, so wie sie sind. Und vor allem mag ich deren Bilder.Nichts was hier zu sehen ist, wäre ohne die Hilfe der Kinder möglich gewesen. Ich bin unglaublich dankbar, dass ich dieses Projekt mit ihnen machen konnte.”

Foto: Carlos Bafile

Foto: Carlos Bafile

Lukas Becker – Mehr Eltern* für Alle / Können wir Elternschaft neu verhandeln, um die Vereinbarkeit von Familie und persönlicher Selbstverwirklichung zu erreichen? Ist dies nicht sogar nötig für eine geschlechtergerechte Welt von morgen, in der das Bild der Super-Hausfrauen-Mutter ausgedient hat? Mehr Eltern* für alle. zeigt eine Patchwork-Familie, die den Zwängen eines traditionellen Familienideals konsequent auszuweichen versucht.

Foto: Lukas Becker

Foto: Lukas Becker

Tobias Eineder – Auf der Kippe / Etwa jede fünfte Person in Deutschland raucht. Das Magazin »Auf der Kippe« thematisiert den Tabakkonsum vom Anbau in Mexiko, über rauchende Köche in Chinatown und was eigentlich diese Sucht, die so verharmlost wird und doch so verbreitet ist? Rauchen hat sich in und mit vielen (Bild-) Ikonen in unserer Bildwelt verankert, kann verzaubernd wie Audrey Hepburn wirken, zugleich abschreckend ehrlich. Das Magazin nimmt die Blickwinkel von pro und contra, Genuss und Verstand und den Positionen dazwischen ein.

Foto: Tobias Eineder

Foto: Tobias Eineder

Jonas Völpel – Der tauchende Kater / Was sind Träume? Sind sie Botschaften höherer Mächte, sind sie Signale aus den tiefsten Abgründen unserer Seele? Oder lassen unsere schlafenden Nerven vielleicht doch nur ein zufälliges Hirngewitter aufleuchten?

In seinem Projekt Der tauchende Kater sinkt Jonas Völpel in sein Traumleben ein. Besonders das Meer spielt in seiner Arbeit eine Rolle. Als immer wiederkehrendes Traummotiv steht es für ihn sinnbildlich für Heimatgefühl und bleibt doch immer ein großes Vielleicht.

Foto: Jonas Völpel

Foto: Jonas Völpel

Maria Rohweder – Haus & Hof / Die Einen nennen es „Strukturwandel“, die Anderen „Höfesterben“. Gemeint ist, dass immer weniger Landwirt*innen auf immer mehr Land wirtschaften. Folglich haben es kleine landwirtschaftliche Familienbetriebe schwer, im Wettbewerb mit den industrialisierten Agrarunternehmen zu bestehen. Maria Rohweder stellt in ihrer Arbeit „Haus & Hof“ den Bauernhof ihrer Familie vor. Die agrarstrukturellen Entwicklungen werfen dort existenzielle Fragen auf.

Foto: Maria Rohweder

Foto: Maria Rohweder

Sofie Puttfarken – alma mater / Mit ‚alma mater‘ lädt die Fotografin dazu ein, das internalisierte Mutterideal zu hinterfragen.

Ausgehend von der persönlichen Erfahrung als Familie in der Pandemie, wandte die Fotografin sich anderen Müttern zu. Mit solidarischem Blick und partizipativen Ansatz, entstand ein Fotobuch welches sensibilisieren soll für die Perspektiven und Wirklichkeiten von Ein-Eltern-Familien – für Mütter die „alleinerziehen“ und das was sie sich wünschen.

Foto: Sofie Puttfarken

Foto: Sofie Puttfarken

Malte Radtki – Vexierbild 1917 – ´62 / Private Fotoalben sind Objekte, in denen Biografien konstruiert, Selbstentwürfe gefestigt und sowohl zukünftiges Erinnern als auch Vergessen strukturiert werden. Anhand von Alben aus der eigenen Familie blickt Malte Radtki auf den Wandel von Diktatur zu Demokratie und spürt der Erfindung westdeutscher Normalität in den frühen Jahren der BRD nach.

Von: Malte Radtki

Vasil Dinev – Homo Ludens / Das Spiel ist eine ursprüngliche menschliche Eigenschaft und eines der grundlegenden spirituellen Elemente im Leben. Vasil Dinev widmet sich dem Thema der „Kukeri“ in Bulgarien und sucht nach einer zeitgenössischen Sicht auf das Ritual und seine Bedeutung in der modernen Gesellschaft.

Foto: Vasil Dinev

Foto: Vasil Dinev

Ole Spata – Atomzeitalter / In seiner Arbeit Atomzeitalter dokumentiert Ole Spata die Kernenergie in Deutschland. Angefangen beim Uranabbau für die russische Atombombe bis zur Endlagersuche auf der „weißen Landkarte“, zeigt er Landschaften und Sozialstrukturen die über Jahrzehnte von der zivilen und militärischen Nutzung der Atomkraft geprägt wurden. Seine Aufnahmen zeichnen ein ambivalentes Porträt vom Rückbau einer Utopie der unbegrenzten, sauberen Energiegewinnung.

Foto: Ole Spata

Foto: Ole Spata

Judith Gawol – Spielzeit 20/21 / Nunmehr ein Jahr sind die Theater in Deutschland aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen. Kurzzeitig durften sie mit Hygienekonzept und unter gewissen Auflagen im Herbst 2020 wieder öffnen. Für viele Theater war dies nicht realisierbar, Andere entschieden sich für alternative Darstellungsformen, um überhaupt Kultur anbieten zu können. Für ihr Projekt „Spielzeit 20/21“ arbeitete die Fotografin mit verschiedenen Theatern, Kollektiven und Künstlern aus Hannover zusammen und stellt deren Situation während der andauernden Corona-Krise dar.

Anmerkung: Inzwischen ermöglicht die derzeitige Lage eine beschränkte Öffnung der Theater.

Foto: Judith Gawol

Foto: Judith Gawol

Helena Lea Manhartsberger – sex work – lock down / In ihrem Fotobuch sex work – lock down vereint Helena Lea Manhartsberger Fragmente einer mystifizierten und oft unsichtbar gemachten Welt. Es sind mal flüchtige, mal intensive Begegnungen mit Menschen die sich in dieser Welt bewegen und ihre Erlebnisse und Gedanken zu Sexarbeit in Zeiten von Corona in Österreich teilen. Was sind Herausforderungen und Chancen der aktuellen Situation und welche Strategien haben sie gefunden, um durch die Pandemie zu kommen?

Foto: Helena Lea Manhartsberger

Foto: Helena Lea Manhartsberger

Michael Galian – Alles beseder / Michael Galian fotografiert seine Mutter Sofia, die aus Surgut in Westsibirien, Russland nach Lod in Israel umzieht. Sofia Galian, 58, hat ihr ganzes Leben als Lehrerin für Russische Sprache und Literatur gearbeitet. Jetzt muss sie sich in einem neuen Land einleben. “Alles beseder” ist Teil eines fortlaufenden Projekts.

Foto: Michael Galian

Foto: Michael Galian

Sara Klatt – Off the Derech / Wenn ein Mensch seinen Glauben verliert, stirbt dann Gott?
Wenn Gott stirbt, verliert der Mensch dann seine Religion?
Und wenn er glaubt, seine Religion zu verlieren, wenn er sagt:
„Ich bin Atheist.“,
– kann er dann noch Jude sein?

Off The Derech bedeutet wörtlich „Vom Weg abgekommen“ („derech“, hebr. für Weg). In ihrer fotografischen Arbeit betrachtet Sara Klatt den Lebenswandel von Aussteiger*innen aus der jüdischen Orthodoxie und ihre Suche nach der eigenen Identität.

Foto: Sara Klatt

Foto: Sara Klatt

Darian Weiß – Auf der Suche / „Roadtrips sind für mich wie immerwährende Schatzsuchen. Ich weiß nie was sich hinter der nächsten Kurve verbirgt, welche Überraschungen der Weg bereit hält. Das Ziel ist immer eine Wagenlänge entfernt. Deutschlands längste Straße ist knapp 850 Kilometer lang. Sie verläuft von Nord nach Süd durch Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Bayern. Ich wollte Menschen treffen und habe Orte gefunden nach denen ich nie gesucht habe.“

Foto: Darian Weiß

Foto: Darian Weiß

Konstantin Tönnies – Adams Erbe / In seinem Fotobuch „Adams Erbe“ beschäftigt sich Konstantin Tönnies mit dem Thema Vaterschaft. Er geht der Frage nach, welches Rollenverständnis Väter heutzutage haben. Der Titel des Buches nimmt die Schöpfungsgeschichte von Adam und Eva gedanklich auf und verweist auf ein fragliches Erbe, der Rolle von Mann und Frau, die u.a. kirchlich geprägt ist. Wie viel steckt von Adams Erbe noch in uns und welche Möglichkeiten haben wir die Rolle des Vaters freier zu gestalten?

Foto: Konstantin Tönnies

Foto: Konstantin Tönnies

Anna Fritsche – Weil es nie einen richtigen Ort dafür gibt / Warum schämen wir uns für etwas, wofür wir keinerlei Schuld tragen? Wieso ist es so schwer sich einer Person anzuvertrauen? Wieso sind meistens wir, Mädchen und Frauen, die Betroffenen? Und wieso ist sexualisierte Gewalt ein Tabuthema, über das viel zu wenig gesprochen wird? In diesem Projekt erzählen betroffene Frauen von ihren Erlebnissen, ihren Fragen, ihren Gefühlen und ihren Gedanken. Weil es nie einen richtigen Ort dafür gibt.

Foto: Anna Fritsche

Foto: Anna Fritsche

Arne Gutknecht – Identität – Zwischen Selbstbeobachtung und Selbstdarstellung / Identität ist etwas, das man in sich trägt! Oder erwächst die Identität allein aus dem Handeln heraus? Wie entsteht Identität und wie kann man selbst durch den Blick nach Innen und den Blick nach Außen seine eigene Identität erfahren? Über Beobachtung und Darstellung findet Arne Gutknecht diese Facetten, die in ihrer Gesamtheit die Identität bilden, um aus dem „was sein kann“ ein „was ist“ zu machen.

Foto: Arne Gutknecht

Foto: Arne Gutknecht

Frederike Finster – Du bist ja noch jung / Du bist ja noch jung und gesund. Zwei Adjektive, die oft untrennbar miteinander verbunden sind. Als wäre das die Norm und alles andere die Abweichung davon. In Du bist ja noch jung begleitet Frederike Finster vier junge Frauen mit unsichtbaren, chronischen Krankheiten: Migräne, Endometriose, Lipödem oder Rheuma. Wie fühlt es sich an, chronisch krank zu sein? Was gibt Halt und worin kann man sich verlieren? Wie ist es, wenn man das eigene Selbstverständnis, Pläne und Träume, neu formen muss?

Foto: Frederike Finster

Foto: Frederike Finster

Die Ausstellung „Aus der Nähe ist die Ferne gar nicht so weit weg“ findet zwischen dem 25. Juni bis zum 04. Juli 2021 täglich von 12 bis 20 Uhr an folgendem Ort statt:

GAF Galerie für Fotografie Hannover

Seilerstraße 15D

30171 Hannover

Bitte auf der Ausstellungsseite die aktuell geltenden Besuchsbestimmungen vorher überprüfen.

Mehr Informationen:

Zur Seite von Shirin Abedi (Invisible Students)

Zur Seite von Carlos Bafile (Du kannst mich am Bauch riechen) / instagram-Auftritt

Zur Seite von Lukas Becker (Mehr Eltern* für Alle)

Zur Seite von Tobias Eineder (Auf der Kippe) / instagram-Auftritt

Zur Seite von Maria Rohweder (Haus & Hof) / instagram-Auftritt

Zur Seite von Sofie Puttfarken (alma mater) / instagram-Auftritt

Zur Seite von Vasil Dinev (Homo Ludens) / instagram-Auftritt

Zur Seite von Ole Spata (Atomzeitalter) / instagram-Auftritt

Zur Seite von Judith Gawol (Spielzeit 20/21) / instagram-Auftritt

Zur Seite von Helena Lea Manhartsberger (sex work – lock down) / instagram-Auftritt

Zur Seite von Michael Galian (Alles beseder) / instagram-Auftritt

Zur Seite von Darian Weiß (Auf der Suche) / instagram-Auftritt

Zur Seite von Konstantin Tönnies (Adams Erbe)

Zur Seite von Anna Fritsche (Weil es nie einen richtigen Ort dafür gibt) / instagram-Auftritt

Zur Seite von Frederike Finster (Du bist ja noch jung) / instagram-Auftritt

Zur Seite von Malte Radtki / instagram-Auftritt

Zum instagram-Auftritt von Arne Gutknecht

Zum instagram-Auftritt von Jonas Völpel